Weihnachten

Amerikanische Kleinstädte sind anders. Amerikanische Großstädte sind das zwar auch, aber bei den kleineren Städten sticht es eher ins Auge. Erst einmal sind sie nicht klein, die amerikanischen Kleinstädte. Marshalltown, Iowa, wo die vier Dannen-Großeltern leben, hat 25.000 Einwohner. Zu den Geschäften am Stadtrand sind es 15 Minuten Fahrt. Die Häuser sind amerikanisch, nicht isoliert und leichte Beute für den nächsten Tornado. Abseits des reichen Johnson County sind sie oft auch sehr klein.


Von einem Tag auf den anderen war die Welt nicht mehr warm und sonnig, sondern Schnee, Eis und Wind. Und niemand im mittleren Westen ist dafür ausgerüstet. Es ist ein Wahnsinn, was wir im Auto herumgekreiselt sind. Auf dem Weg nach Iowa haben wir dutzende Autos in den Gräben gesehen.


Weihnachten war hauptsächlich essen (Truthahn, Kekse, Sonstiges) und Geschenke auspacken. Ich hätt nichts gebraucht, aber natürlich bin ich nicht leer ausgegangen... Mein Favorit ist ein T-Shirt mit der Aufschrift „I’m smiling, because I have no idea what’s going on“, ein Geschenk von Rachel und Julie. Und zwei gift cards für Panera, eine Bäckerei, meinen Lieblingsladen in Amerika.


Alles war sorgfältig geplant, Aunt Shirley hat bei der Feier im Hause Tasler (Mom’s Eltern) die größte Schachtel bekommen. Ihre zwei neuen Puppen (Sie hat hunderte in ihrem Apartment) hat sie unter Hinzufügung amerikanischer Mittelnamen nach meiner Mutter und älteren Schwester getauft, Josefa Marie und Steffi Sue. Hoffe, ihr beiden fühlt euch geehrt. XD


Spätabends, 11 PM, sind wir in die Kirche gegangen. Ein Glockenorchester hat gespielt, ein kleines Mädchen hat getanzt, und der Pfarrer hat die Geschichte von „Stille Nacht“ erzählt. In einem Winkel stand im Kerzenlicht die amerikanische Flagge.


Am 25. haben wir nach dem Aufstehen traditionell Weihnachtsstrümpfe entleert. Nett wars. Zurück in Overland Park haben ein paar Karten auf mich gewartet, vielen Dank! Und auch für den Schuhkarton mit den tiefgefrorenen Keksen... :)


Wir sind am Abend des 26. mexikanisch essen gewesen und haben 15 Minuten auf unseren Tisch gewartet. Amerikanische Restaurants haben mit den österreichischen nicht allzu viel gemein – der Service hier ist einmalig.


Gestern waren wir in Kansas City, Missouri, und haben uns dort Union Station, Science City und Crown Center angeschaut. Amerikanische Eisenbahnstationen sind auch anders... Die Güterzüge sind kilometerlang, aber Personenzüge kommen durch Kansas City täglich genau vier.


Heute sind wir aufgrund von Schneelage ein bisschen rodeln gegangen, und anschließend zu Starbucks. Ein Dialog wie der folgende kann sich unter Jugendlichen wohl nur in Amerika abspielen:
„Do you like it?“
„Yeah, it’s good.“
„What did you get?“
„Hot chocolate. What did you get?“
„Hot chocolate, too. It is good.“
Wie dem auch sei, ich freu mich auf ein paar weitere gemütliche Tage. :)